Gesundheit

      Damit die Pflege nicht unbezahlbar wird

      Die Pflegekosten in Deutschland explodieren. Um sich eine ambulante oder stationäre Pflege im Alter finanziell leisten zu können, reicht die gesetzliche Pflegeversicherung schon längst nicht mehr aus. Eine Pflegezusatzversicherung wird daher immer nötiger – doch die meisten Deutschen haben keine.

      Es gibt Versicherungen, die zwar durchaus sinnvoll und nötig sind, über die man aber eher ungern nachdenkt. Zu ihnen gehört eindeutig eine Pflegezusatzversicherung. Mit „Pflege“ beschäftigt man sich gedanklich ungern oder oftmals erst dann, wenn man – etwa als Angehöriger – selbst indirekt betroffen ist. Ansonsten wird das Thema Pflege gerne „auf später“ verschoben – außerdem gibt es ja die Pflegepflichtversicherung.

      Doch nach wie vor wissen viele Menschen nicht, dass die Pflegepflichtversicherung nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten im Fall eines Falles übernimmt. Die meisten Deutschen vermuten zwar, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Pflegekosten zu decken. Dennoch hat sich mehr als die Hälfte noch nicht über die gesetzlichen Leistungen informiert, wie Umfragen immer wieder zeigen. Und jeder Dritte weiß nicht, wie teuer Pflege ist. So erwarten die meisten monatliche Pflegekosten von 1.000 Euro – tatsächlich sind es im Schnitt fast 2.250 Euro.

      Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um fast 70 Prozent gestiegen - und die Pflegekosten steigen mit.

      Christian Jaffke | Leiter Produkt Management Leben & Kranken bei Jung, DMS & Cie.

      Das Thema Pflege wird gern verdrängt

      Die Wahrscheinlichkeit, im Alter zwischen 70 und 74 Jahren zu einem Pflegefall zu werden, liegt laut Bundesgesundheitsministerium bei sieben Prozent. Das klingt zuerst einmal nach einem relativ geringen Zukunftsrisiko, doch Zahlen des Bundesgesundheitsministerium zeigen, dass Pflegefälle rasant zunehmen. So erhielten Ende 2021 rund 4,6 Millionen Menschen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um fast 70 Prozent gestiegen – und die Pflegekosten steigen mit. Schon jetzt schätzt die Verbraucherzentrale den Eigenanteil bei der ambulanten Pflege in der Pflegestufe 1 auf monatlich 125 Euro und in der Pflegestufe 5 auf durchschnittlich 2200 Euro.

      Wenn Pflegebedürftige also ambulant oder gar in einem Heim betreut werden müssen, kann das für sie und deren Angehörige schnell zu einem finanziellen Problem werden, denn der Eigenanteil an den gesamten Pflegekosten explodiert. Im Januar 2022 mussten Pflegebedürftige für eine Heimunterbringung laut Zahlen des Verbands der Ersatzkassen bereits 2179 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. Seit 2018 sind die Zuzahlungen damit um fast 25 Prozent gestiegen. Für diese Kosten reicht die eigene Rente schon lange nicht mehr.

      Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Katholisches Pflege- & Seniorenheim Karl-Streeb-Heim, Berlin

      Pflegelücke wird immer größer

      Laut Deutscher Rentenversicherung betrug Mitte 2021 die durchschnittliche Standardrente gut 1500 Euro und liegt damit deutlich unter dem durchschnittlichen Eigenanteil für einen Heimplatz. Es gibt also nicht nur eine Rentenlücke, sondern auch eine Pflegelücke von durchschnittlich fast 700 Euro im Monat. Auch bei der ambulanten Pflege zu Hause müssen Betroffene rund die Hälfte der Kosten selbst finanzieren. In einer Analyse kommt Deutschlands größter privater Krankenversicherer zu dem Ergebnis, dass im Falle des höchsten Pflegegrads 5 die Leistungen der Pflegekasse bei einem ambulanten Pflegedienst maximal 2095 Euro betragen. Die tatsächlichen Kosten würden allerdings bei rund 4000 Euro liegen – eine Lücke von etwa 2100 Euro, die ebenfalls nicht mit einer Durchschnittsrente gefüllt werden kann.

      Aufgrund dieser Zahlen und der demographischen Entwicklung wird eine Pflegezusatzversicherung immer wichtiger, um im Fall des Falles für die Betroffenen und deren Angehörige finanzielle Versorgungslücken zu vermeiden. Je nach Modell decken diese Versicherungen ganz oder teilweise Kosten ab, die die Pflichtversicherung nicht übernimmt. Dennoch haben derzeit nur etwa 4,3 Millionen Deutsche eine solche Police. Mit ein Grund: Eine Pflegezusatzversicherung gehört nicht gerade zu den günstigen Versicherungsarten. Wer mit 55 Jahren einen Pflegetagegeld-Vertrag abschließt, zahlt laut Stiftung Warentest etwa 90 Euro im Monat. Wer sich schon mit 45 Jahren um den Vertrag kümmert, muss nur rund 60 Euro im Monat einkalkulieren – Preissteigerungen aufgrund der galoppierenden Pflegekosten in den Folgejahren wahrscheinlich.

      Hoher Beratungsbedarf

      Daher sollte man sich vor Abschluss einer Pflegezusatzversicherung gut über das jeweilige Preis-Leistungs-Verhältnis beraten lassen. Denn wer später seine Pflegezusatzversicherung kündigen will, weil sie zu teuer wird oder nicht das hält, was sie versprochen hat, verliert nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch alle bereits gezahlten Beiträge. Doch so richtig wird den meisten Menschen die Notwendigkeit einer Pflegezusatzversicherung erst bewusst, wenn man ihnen vorrechnet, welche finanziellen Lücken entstehen können, sofern sie sich nicht rechtzeitig um die richtige Absicherung kümmern.

      Über Christian Jaffke und Jung, DMS & Cie.

      Christian Jaffke, Leiter Produkt Management Leben & Kranken beim Maklerpool bei Jung, DMS & Cie.: In unser Maklerverwaltungsprogramm iCRM haben wir einen Pflegelückenrechner integriert, mit dem unsere Vertriebspartner ihren Kunden mit wenigen Abfragen den eigenen Bedarf im Pflegefall errechnen und damit einschätzen können, ob eine finanzielle Lücke entsteht. Mehr Infos findest Du hier.

      Jung, DMS & Cie. ist eine Service- und Technologieplattform für derzeit rund 16.000 Finanzdienstleister in Deutschland und Österreich und stellt ihren Vertriebspartnern über 12.000 Produkte von mehr als 1000 Gesellschaften aus den Bereichen Investmentfonds, Versicherungen, Beteiligungen sowie Finanzierungen und über ein Haftungsdach auch strukturierte Bankprodukte wie beispielsweise Zertifikate oder ETFs zur Verfügung. Im Rahmen ihrer Advisortech-Strategie bieten JDC zudem innovative Beratungs-, Prozess- und Verwaltungstechnologien für ihre Vertriebspartner.

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