Rating-Erläuterung

Beim Abschluss einer kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung beschäftigt man sich zunächst einmal mit dem eigentlichen Versicherungsbedarf und prüft danach sinnvollerweise, welche Versicherungsunternehmen geeignete Tarife im Angebot haben und welche dieser Angebote am besten geeignet erscheinen, den Versicherungsbedarf zu decken.

Doch wie steht es um das Versicherungsunternehmen? Wie groß, sicher und erfolgreich ist es? Auf diese und ähnliche Fragen geben die Geschäftsberichte der Versicherungsunternehmen Antworten - bislang leider nur dem ausgewiesenen Bilanzfachmann. Denn selbst bei profunden bilanzanalytischen Kenntnissen bringt der Blick in den Geschäftsbericht nur bedingt die gewünschten Erkenntnisse, da ein großer Teil der Informationen nicht direkt aus dem Geschäftsbericht gelesen werden kann, sondern erst durch Bildung von Kennzahlen Aussagen über Sachverhalte liefert. Darüber hinaus sind viele, wenn nicht sogar die meisten der Kennzahlen erst dann aussagefähig, wenn man sie sowohl im Zeitablauf als auch im Vergleich zu anderen Gesellschaften betrachtet.

Das M&M Rating LV-Unternehmen analysiert die Kennzahlen der Geschäftberichte und gibt einen Hinweis drauf, wie die bewertete Gesellschaft zu beurteilen ist. Dabei ist zu beachten, dass jedes derartige Rating verfahrensbedingt subjektive Beurteilungselemente enthält. Neben der Auswahl der Kennzahlen und deren Gewichtung trifft der Ersteller eines Ratings an vielen Stellen Entscheidungen, die das Ergebnis beeinflussen.

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Bewertungsverfahren

MORGEN & MORGEN hat ein Bewertungssystem entwickelt, das diesem Informationsbedarf Rechnung trägt. Hierzu werden jährlich die Geschäftsberichte der vergangenen fünf Jahre praktisch aller deutscher Lebensversicherungsunternehmen ausgewertet, die zu diesem Zeitpunkt seit mindestens elf Jahren bestehen. Über 30.000 Daten werden zu diesem Zweck den Geschäftsberichten entnommen. Sie fließen - für jedes Unternehmen und für jedes Bilanzjahr des beobachteten 5-Jahres-Zeitraums - in neun Kennzahlen ein. Jede dieser neun Kennzahlen beleuchtet einen spezifischen Aspekt des Unternehmenserfolgs und der Unternehmensführung.

Nun ist eine Kennzahl für sich alleine noch nicht aussagekräftig. Erst der Vergleich zu allen anderen Unternehmen zeigt, ob der von einem Unternehmen erreichte Wert eher durchschnittlich ist oder in der einen oder anderen Richtung vom Durchschnitt abweicht. Deshalb werden die Kennzahlen im nächsten Schritt miteinander verglichen und mit Hilfe eines statistisch mathematischen Verfahrens ein Schema entwickelt, mit dem für jede Kennzahl jedes Unternehmens gemessen werden kann, ob und wie weit sie vom Durchschnitt aller untersuchten Unternehmen abweicht. Die dabei festgestellten Ergebnisse werden in eine Punkteskala übertragen.

Anschließend werden die Einzelergebnisse in den jeweiligen Kennzahlen zu einem Gesamtergebnis für jede Gesellschaft zusammengeführt. Dies trägt auch der Tatsache Rechnung, dass sich manche Kennzahlen gegenseitig bedingen und bei isolierter Betrachtung wenig aussagekräftig sind. Die Gesamtergebnisse wurden in einem Fünf-Sterne-Schema zusammengefasst, dem M&M Rating LV-Unternehmen.

Ergebnis

Wertung

5 Sterne

Ausgezeichnet

4 Sterne

Sehr gut

3 Sterne

Durchschnittlich

2 Sterne

Schwach

1 Stern

Sehr schwach

 

 

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Unternehmenskennzahlen

  • Nettoverzinsung
    Bei der Nettoverzinsung werden sämtliche Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen berücksichtigt. In die Berechnung einbezogen sind somit auch Erträge und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die Abschreibungen auf Wertpapiere. Diese Kennzahl kann daher relativ starken Schwankungen unterworfen sein. Die Berechnung der Nettoverzinsung erfolgt nach den Empfehlungen des LV-Verbandes.
  • Abschlusskosten in Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts
    Abschlusskosten entstehen im Zusammenhang mit dem Neugeschäft. In der Regel sind die Kosten kalkulatorischer Bestandteil des Versicherungsprodukts, die der Versicherungsnehmer (zumindest teilweise) im Rahmen seiner Prämie trägt.
  • Verwaltungskosten in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge
    Diese Kostenquote beinhaltet die Kostenpositionen des Jahresabschlusses, die nicht unmittelbar dem Neugeschäft zuzuordnen sind. Hieraus lässt sich erkennen, wie hoch die Kostenbelastung in Relation zu den eingenommenen Beiträgen ist.
  • RfB-Quote
    Der freien RfB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) kommt die Bedeutung einer Pufferfunktion zur Glättung der jährlichen Gewinnbeteiligung zu. Die freie RfB in Prozent der Deckungsrückstellung ist ein Indikator für die Höhe dieses „Puffers“ in Relation zur gesamten Deckungsrückstellung der Versicherten im Geschäftsjahr.
  • Überschussquote
    Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge und Nettoerträge aus Kapitalanlagen) gibt Aufschluss darüber, wie groß der Anteil der Erträge ist, der der Versichertengemeinschaft in Form von Überschüssen zugute kommt.
  • Wachstumsquote
    Das Wachstum eines Versicherungsunternehmens wird hier an drei Größenpositionen gemessen: Entwicklung der Beiträge (50%), Entwicklung der Kapitalanlagen (25%) und Entwicklung der Versicherungssummen (25%).
  • Storno kapitalbildende Tarife
    Das Storno erfasst die Verträge der kapitalbildenden Tarife (Kapital- und Rententarife), die vorzeitig - also vor Vertragsablauf - gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. Es lässt einen Rückschluss auf die Qualität der Beratung, der Tarife und der Vertriebswege zu.
  • mod. Eigenmittelquote
    Die modifizierte Eigenmittelquote ist ein Maßstab dafür, in welchem Umfang ein Lebensversicherer Risiken durch die Eigenmittel Eigenkapital und Schlussüberschussanteil-Fonds (SÜAF) abdecken kann. Hierfür wird eine Quote gebildet, welche die Summe dieser beiden Eigenmittel der Deckungsrückstellung gegenüberstellt.
  • Bewertungsreserve
    Die Reservequote zeigt, wie groß der Anteil der so genannten Stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag war. Die Stillen Reserven ergeben sich im Wesentlichen aus abgeschriebenen bzw. zum Niederstwert angesetzten Buchwerten (z. B. Grundstücke, Aktien und Investmentfondsanteile) gegenüber ihren zum Stichtag ermittelten und angesetzten Marktwerten. Die Bewertungsreserve wurde erstmals im Bilanzjahrgang 1997 in den Geschäftsberichten ausgewiesen. Seit dem Bilanzjahrgang 2007 sind auch die Stillen Reserven in den zu Nennwert bilanzierten Kapitalanlagen angabepflichtig und sind entsprechend integriert.

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